Weiße Reifen? Alles zu Weißwandreifen

In alten Filmen oder auch auf der Straße sieht man des Öfteren historische Fahrzeuge mit ihren auffälligen Weißwandreifen. Demzufolge wird diese Reifenart auch als „Oldtimer-Reifen“ bezeichnet. Sie werden am Fahrzeug als schmückendes Accessoire und Inbegriff schöner Pneus assoziiert. Bezeichnend ist hierbei der weiße Rahmen, welcher sich seitlich am Weißwandreifen befindet. Der weiße Streifen ist dabei zwischen 15 und 60 Millimeter breit. Was es genau mit dem weißen Rahmen auf sich hat und ab wann ein Fahrzeug eigentlich ein Oldtimer ist, das erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Kundenmeinungen
Die Online-Bewertung hat mir echt weitergeholfen. Hatte vorher keine Ahnung, was mein Wagen wert war.
Jannis R.
Die Fahrzeugbewertung hat mir einen ziemlich realistischen Preis geliefert. 1300 Euro wurden angezeigt, ich habe mein Auto für 1175 Euro verkauft.
Florian W.

Weißwandreifen als Kultobjekt

Obwohl Weißwandreifen heute etwas außergewöhnliches und etwas besonderes sind, waren sie zu Zeiten der ersten Gummireifen etwas ganz alltägliches. Die ersten Gummireifen für Autos wurden zu diesem Zeitpunkt aus natürlichem Kautschuk hergestellt und waren somit nicht schwarz sondern weiß. Erst in späteren Herstellungsverfahren wurden der Gummimischung bestimmte Stoffe hinzugefügt, die eine Schwarzfärbung zur Folge hatte. Demzufolge waren Weißwandreifen in den Anfangsjahren eine günstige Alternative zu den vollkommen schwarzen Pneus. Komplett schwarze Reifen hingegen wurden dem Premiumsektor zugeordnet. Kurze Zeit später wandelten sich jedoch die Ansichten. Nun zählten die Weißwandreifen zur edlen Klasse, da sie den Wagen in seinem Gesamtdesign bestärkten. Später darauf in den 1930er Jahren wurden jedoch erneut die schwarzen Reifen von der Bevölkerung bevorzugt. Ebenso wie bei Modetrends wiederholen sich Muster und Geschmäcker regelmäßig. Was der Grund dafür ist, wieso sich bereits in den 1950/60er Jahren die Weißrandreifen erneut einer großen Beliebtheit erfreuten. Abermals wurden diese Reifen bewusst als spezielles Gestaltungsmerkmal an den Fahrzeugen angebracht. Zu dieser Zeit gab es im Automobilbereich bereits für Motorräder, Motorroller sowie für andere Zweiräder den begehrten Weißwandreifen. Ein möglicher Grund für den Rückzug des Reifens nach 1950 könnte das moderne Herstellungsverfahren sein. Dies hat zur Folge, dass die Räder eine deutliche schmalere Wand aufweisen auf denen ein weißer Rand platziert werden könnte.

In der heutigen Zeit gibt es in erster Linie schwarze Reifen. Viele Oldtimer-Besitzer dürfen ihren Wagen jedoch erst als Oldtimer bezeichnen, wenn dieser auch die originalgetreuen Reifen aufgezogen hat. Obwohl einige Reifenhersteller auch im 21. Jahrhundert wieder Weißwandreifen herstellen beziehungsweise anbieten, sind diese trotzdem schwer zu bekommen und sehr teuer. Überwiegend werden diese Pneus in den USA gefertigt. Egal in welcher Produktionsstätte – Weißwandreifen werden generell nur in einer limitierten Stückzahl hergestellt. Bei den Pneus mit dem weißen Rand, die aktuell produziert werden, handelt es sich um Reifen der modernen Technik, welche seitlich einen aufvulkanisierten Streifen aufweisen.

Weißwandreifen: Weißer Rand durch Vulkanisation

Viele Weißwandreifen werden heutzutage durch ein aufvulkanisieren des weißen Streifens hergestellt. Dabei ist die Vulkanisation ein Verfahren, welches 1839 von Charles Goodyear entwickelt wurde. Es handelt sich hierbei um ein chemisch-technisches Verfahren. Diese Methode ermöglicht es Kautschuk unter Einfluss von Zeit, Temperatur und Druck gegenüber chemischen Einflüssen sowie gegen mechanische Beanspruchung widerstandsfähiger zu gestalten. Jeder Reifen durchläuft einmal in seinem Leben dieses Verfahren, um elastischer zu werden. Durch den Zusatz von Schwefel und Füllstoffen wird der Naturkautschuk zu Gummi verarbeitet. Dieser ist elastischer und resistenter gegenüber dem herkömmlichen Material. Die Elastizität ist dabei von der Anzahl der Schwefelbrücken abhängig. Je mehr von diesen Brücken vorhanden ist, desto härter ist der Gummi. Die Anzahl der Schwefelbrücken steht dabei im Zusammenhang mit der zugesetzten Schwefelmenge und der Dauer der Vulkanisation. Altert der Gummi, so werden die Schwefelbrücken durch Sauerstoffbrücken ersetzt. Das Material wird somit brüchig und porös.

Letztendlich ist das reine Herstellungsverfahren noch nicht als Vulkanisation zu bezeichnen. Der Ausspruch „einen Reifen“ vulkanisieren bezeichnet im Regelfall einen Arbeitsschritt in der Reifenreparatur. Hat der Pneu ein Loch oder einen Riss, reicht es beispielsweise nicht, das Loch zu stopfen. Hier muss der Mechaniker zusätzlich den Reifen vulkanisieren.

Im Allgemeinen lässt sich das Vulkanisierungsverfahren demnach für die Gummiherstellung, für die Reifenreparatur als auch zur Erzeugung von weißen Rändern am Pneu einsetzen.

Ist ein historisches Fahrzeug nur mit Weißwandreifen ein Oldtimer?

Was genau unter einem historischen Fahrzeug oder auch unter einem Oldtimer zu verstehen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fast jedes Land hat diesbezüglich seine eigenen Vorstellungen und Richtlinien. Um hier Klarheit und eine zumindest für den europäischen Raum einheitliche Definition zu finden, hat sich die EU-Kommission mit dem Thema beschäftigt. Ziel einer Verordnung in diesem Bereich ist es, Prüfinhalte sowie Prüfmethoden für historische Fahrzeuge zu verbessern. Laut der neuen Definition muss ein „historisches Fahrzeug“ vor mehr als 30 Jahren hergestellt worden sein. Dabei bilden eingebaute Ersatzteile die historische Komponenten eines Wagens ab. Die technischen Charakteristika der Hauptbestandteile des Fahrzeugs, wie beispielsweise Bremsen, Motor, Steuerung und Aufhängung, sollen unverändert sein. Ebenso soll sich das äußere Erscheinungsbild im original Zustand befinden. Ältere EU-Gesetzte beinhalteten ganz unterschiedliche Definitionen zu solchen Fahrzeugen. Die alte Regelung der Hauptuntersuchung beispielsweise deklarierte alle Wagen als historisch, welche vor 1960 hergestellt wurden.

Ein älteres Fahrzeug benötigt also nicht zwingend Weißwandreifen, um den Titel „Oldtimer“ führen zu dürfen. Historische beziehungsweise alte und somit originale Zubehörteile erleichtern jedoch die Kategorisierung als Oldtimer. Obwohl Weißwandreifen kein konkretes Definitionskriterium für ein historisches Fahrzeug sind, bevorzugen Oldtimer-Liebhaber die klassischen Weißwandreifen gegenüber regulären Pneus. Aufgrund der Tatsache, dass Oldtimer Reifen sehr schwer zu erhalten sind, werden diese oft imitiert. So werden beispielsweise Weißwandringe eingesetzt, um ein ähnliches Bild zu erzeugen. So können bestimmte Oldtimer zeitgenössisch aufbereitet werden, obwohl es für dieses Modell keine originalen Weißwandreifen mehr gibt. Jedoch sind nur wenige der Weißringprodukte für den Betrieb im Straßenverkehr geeignet. In der Regel sind diese nur für Ausstellungszwecke zu verwenden. Zur Imitation des weißen Randes kann außerdem Reifenfarbe oder Reifenlack verwendet werden. Dieser dunkelt allerdings schnell nach, sodass der ursprünglich weiße Rand schnell schmutzig wirkt.

 

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